In der wunderschönen Komödie „Drei Mann in einem Boot“ schippern Walter Giller, Heinz Ehrhardt und Hans-Joachim Kulenkampff in einem Kutter vom Bodensee den Rhein bergauf. Noch heute löst dieser Film bei manchen Menschen den Wunsch aus, auch einmal mit einem Motorboot auf dem mächtigen Strom zu schippern. Abgesehen davon, dass die Anschaffung und der Betrieb einer Motoryacht aus finanziellen Gründen nur wenigen vorbehalten ist, gibt es eine wichtige Hürde zu überspringen, bevor man sich als Kapitän und Steuermann versuchen kann: den Sportbootführerschein Binnen. Ohne eine solche Lizenz darf man auf dem Rhein lediglich im Kanu, auf dem Surfbrett und im Ruderboot unterwegs sein. Ebenfalls führerscheinpflichtig ist auch der Jetski, für den eine spezielle Fahrerlaubnis erworben werden muss

In den vergangenen Jahren haben sich eine ganze Reihe Bedingungen und Prüfungsdetails rund um den Sportbootführerschein geändert. Inzwischen ist festgelegt, dass dieser Führerschein berechtigt…

…zum Führen eines Sportbootes auf Bundeswasserstraßen im Geltungsbereich der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung. Ein Sportboot ist dabei ein nicht gewerbsmäßig verwendetes Fahrzeug von weniger als 15 m Länge (ohne Ruder und Bugspriet), ausgenommen Fahrzeuge, die durch Muskelkraft oder nur hilfsweise mit einem Treibsegel von höchstens 3 m² Fläche fortbewegt werden. Sportboote mit einer Antriebsmaschine, deren größte nicht überschreitbare Nutzleistung höchstens 11,03 kW (15 PS) beträgt, sind von der Fahrerlaubnispflicht ausgenommen. Auf dem Rhein liegt die Grenze bei 3,68 kW (5 PS). [Quelle: Wikipedia]

Die Theorie

Die Prüfung teilt sich auf in einen praktischen und einen theoretischen Teil, der zuerst absolviert werden muss. Aus einem Katalog von 72 Basisfragen, 181 spezifischen Fragen zur Binnenschiffahrt und 47 spezifischen Fragen zum Segeln wurden mehrere Sätze Multiple-Choice-Fragebögen erstellt, die je nach dem Zweck der Prüfung 30 Fragen umfassen, die in 45 Minuten beantwortet werden müssen. Maximal acht falsche Antworten sind erlaubt. Wer einen bestehenden Motorbootführerschein auf die Erlaubnis zum Segeln ausweiten will, muss sich einer kleineren Prüfung unterziehen. Obwohl im Prinzip stupides Auswendiglernen als Vorbereitung reicht, liegt die Quote des Nichtbestehens relativ hoch – erfahrene Bootsfahrlehrer sprechen von gut einem Viertel der Prüflinge, die es beim ersten Mal nicht schaffen.

Der gesamte Fragenkatalog ist öffentlich zugänglich. Außerdem gibt es eine breite Palette an Literatur zum Thema, mit deren Hilfe man sich gut auf die theoretische Prüfung vorbereiten kann. Fast alle Bootsfahrschulen bieten zudem Vorbereitungskurse an, in denen man jede Menge Hintergrundwissen zu den Prüfungsfragen bekommt – was absolut empfehlenswert ist.

Die Praxis

Ganz ähnlich wie beim Kfz-Führerschein wird in der Praxis eingeübt, wie man sich mit dem Boot auf dem Wasser zu bewegen hat, sodass man selbst, niemand anderes und auch das Schiff nicht zu Schaden kommt. In einer Bootsfahrschule lernt man das im Rahmen von Fahrstunden, die oft blockweise an Wochenenden genommen werden. Diese Fahrstunden dienen aber nicht so sehr als Prüfungsvorbereitung, sondern sind grundsätzlich praxisorientiert. Vor allem lernt man die „Straßenverkehrsordnung“ auf den Wasserstraßen. Gerade bei einer solch wichtigen Binnenschifffahrtsroute wie dem Rhein zwischen Duisburg und Köln gilt es, die entsprechenden Verkehrsreglen genauestens zu kennen und zu beachten, will man sich später unfallfrei auf dem Wasser bewegen.

In der praktischen Prüfung sind dann eine Reihe von Manövern (An- und Ablegen, Wenden etc.) erfolgreich zu überstehen. Außerdem sind seemännische Knoten vorzuführen. Hier gilt: Wer in seiner Fahrschule ausreichend viele Stunden genommen und gut geübt hat, wird wenig Probleme haben, die Prüfung zu bestehen.

Die Fahrschule

Ohne Besuch einer guten Bootsfahrschule geht gar nichts. Zum Glück gibt in Köln, Neuss, Düsseldorf und Duisburg eine ganze Reihe renommierter Fahrschulen, die sowohl Kurse zur Prüfungsvorbereitung, als auch Fahrstunden anbieten. Nach allem, was bekannt ist, gibt es keine schwarzen Schafe darunter, sodass man getrost eine Schule wählen kann, die gut erreichbar ist oder im angestrebten Preissegment agiert. Ein gutes Auswahlkriterium ist aber auch, sich die Fahrlehrer anzuschauen und nach Sympathie zu entscheiden. Schließlich ist auch wichtig, dass die Fahrschule über die Arten Boote verfügt, die man später eventuell nutzen möchten.

Die Kosten für die Ausbildung schwanken erheblich, während die Prüfungsgebühren mit rund 75 Euro einheitlich sind. Bootsfahrschulen auf dem Rhein bieten Kurse für den Sportbootführerschein Binnen inklusive Theorie und Praxis zu Preisen zwischen rund 200 und bis über 500 Euro an. Gerade die Kosten für Fahrstunden unterscheiden sich erheblich entsprechend der Boote, die zum Einsatz kommen.

Führerschein bestanden – und dann?

Wie schon gesagt: Motorbootfahren auf dem Rhein ist nicht billig. Zwar lässt sich hier und da beim Kauf einer kleinen Motoryacht ein Schnäppchen machen, aber bei den Kosten für einen Liegeplatz wird’s teuer … wenn man überhaupt einen bekommt. Deshalb ist das Schippern auf unserem schönen Fluss nur erschwinglich, wenn man ein Boot chartert. Das Angebot an Yachten auf dem Rhein oder einem seiner Nebenflüsse ist nicht groß, aber breit gefächert. Die Palette reicht vom offenen Sportboot mit Außenbordern bis zur 500-PS-Kajütenyacht.

Die schnellen Flitzer kann man schon für um die 300 Euro pro Tag chartern, für eine richtige Yacht, mit der drei, vier Personen eine richtige Reise unternehmen können, muss man allerdings gern über 2000 Euro pro Woche hinlegen. Hinzu kommen meist noch die Kosten für die Versicherung, für den Treibstoff sowieso und bei mehrtägigen Reisen die Liegekosten.

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