Am Rhein in unserer Region ist es eigentlich überall schön. Manche sagen sogar: Nur am Rhein ist es schön. Weil aber so viele Menschen es am Rhein so schön finden. ist es an manchen Stellen – besonders am Wochenende – heillos überlaufen. Wer aber die Ruhe am Strom sucht und fernab vom Trubel auf den Fluss schauen möchte, findet zwischen Köln und Duisburg immer noch ruhige Orte direkt am Ufer. In der Regel handelt es sich dabei um Stellen an den Rheinbögen zwischen den Städten und natürlich in den diversen Rheinauen. Wir haben ein paar solcher Plätze ausgesucht, wollen aber nicht zu sehr ins Detail gehen, damit diese ruhigen Stellen auch ruhig bleiben. Wer sie entdecken will, der wird sie auch entdecken – übrigens in den meisten Fällen mit dem Fahrrad.

1. Weißer Rheinbogen bei Köln-Rodenkirchen

Im Weißer Rheinbogen (Foto: Stadt Köln)

Im Weißer Rheinbogen (Foto: Stadt Köln)

Weiß ist möglicherweise der unbekannteste aller Kölner Stadtteile. Es handelt sich um ein Dorf, das schon im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Die Nähe zum Fluss brachte es mit sich, dass hier einige Familie seit Ende des Mittelalters im Treidelgeschäft waren, während drei, vier Gutshöfe für die Landwirtschaft zuständig waren. Der Weißer Rheinbogen hat immer schon stark unter Überflutungen gelitten. In den Sechzigerjahren wurde die Landwirtschaft aufgegeben und das ganze Gebiet zwischen Sürth und Rodenkirchen aufgeforstet. So entstand Kölns einziger Auenwald, durch den wenige Wege zum Fluss führen. Weil das so ist, ist es hier am Rhein immer sehr still und schön.

2. Rheinaue Worringen-Langel

Historische Aufnahme des Worringer Hafens

Historische Aufnahme des Worringer Hafens

Zwischen Langel im Süden und dem Dormagener Industriegebiet im Norden erstreckt sich die Rheinaue, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, weil sich hier noch die ursprüngliche Saumbewaldung findet, wie sie früher am Ufer des Flusses jenseits des Gebirges bis in die Niederlande hinein überall zu finden war. Direkt am Ufer entlang kann man radeln. Und wenn man eine schöne Bucht zwischen Kribben findet, von denen es hier gut zwei Dutzend gibt, hält man an und sucht sich einen Platz, von dem aus man auf den Strom sehen kann. Dabei lässt sich bestens in die Vergangenheit schauen, denn es handelt sich um historischen Boden; der Ort der berühmten Schlacht von Worringen im Jahr 1288 ist nicht weit entfernt, und Spuren des vor vielen, vielen Jahren aufgegebenen Worringer Hafens sind auch zu finden.

3. Zonser Grind

Google-Map: Zonser Grind - die klassische Halbinsel

Google-Map: Zonser Grind – die klassische Halbinsel

Der Zonser Grind ist eine klassische Halbinsel in einer ebenfalls klassischen Rheinschleife. Das heißt: Der Abstand von Ufer zu Ufer am Fuß des Grinds ist deutlich geringer als die Länge der Halbinsel. In alten Zeiten muss dieses Gebiet einigermaßen wild gewesen sein, über Monate vom Rhein überflutet, sumpfig und landwirtschaftlich zu nichts nutze. Urbar gemacht haben die Bauern aus Stürzelberg die Gegend relativ spät, und weil dort nicht alles wuchs, hat man vor allem Mähwiesen angelegt. Die gibt es noch heute mitten im Naturschutzgebiet. Im Norden und im Süden gibt es je einen großen Campingplatz, das war es aber auch schon. Weil weite Teile der Halbinsel zudem Wasserschutzgebiet sind, die mit Zäunen abgesperrt sind, gibt es nur wenige Stellen, wo man im Zonser Grind bequem an den Rhein kommt. Und das ist auch gut so…

4. Urdenbacher Kämpe

Due Auenlandschaft in der Urdenbacher Kämpe (Foto: Düsseldorf Tourismus)

Due Auenlandschaft in der Urdenbacher Kämpe (Foto: Düsseldorf Tourismus)

Direkt gegenüber vom Zonser Grind findet sich die Urdenbacher Kämpe mit dem Urdenbacher Altrhein und dem Haus Bürgel in der Mitte. Seit vielen Jahren hat man daran gearbeitet, das gesamte Gebiet zu renaturieren und damit eine Überflutungsfläche geschaffen, die Düsseldorf vor Hochwasserschäden schützt. Am ruhigsten ist es direkt am Ufer zwischen der Fähre nach Zons und der Mündung des Altrheins. Unter der Woche trifft man hier praktisch nur Hundehalter, und wenn man ein bisschen sucht, findet man Plätze oberhalb der Kiesstrände, an denen man sich auf umgestürzte Baumstämme setzen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen kann. Noch stiller wird es südlich der Fähre in Richtung Baumberg. Oberhalb des Streifens zum Fluss hin gibt es Mähwiesen, ansonsten lässt man die Vegetation in Ruhe.

In der zweiten Folge stellen wir diese fünf stillen Stellen am Rhein vor: den Himmelgeister Rheinbogen in Düsseldorf, die Ölgangsinsel am Neusser Hafen, die Spey zwischen Meerbusch und Krefeld, die Rheinaue Ehingen im Süden und den Rheinbogen Binsheim im Norden von Duisburg.

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