Viele Menschen, die gerne Binnenschiffe auf dem Rhein beobachten, haben noch das Bild von der Familie, die auf dem eigenen Kahn lebt und arbeitet, im Kopf – so wie in der legendären Fernsehserie “MS Franziska“. Tatsächlich fahren gerade viele Niederländer so als Partikuliere auf unserem schönen Strom. Aber das Berufsbild und die Arbeitsrealität der Binnenschiffer hat sich gewaltig geändert.

Heutzutage sind es vorwiegend angestellte Matrosen, Steuerleute und Schiffsführer, die im Lastverkehr auf dem Rhein arbeiten. Und weil die Liegezeiten immer kürzer werden, haben nicht wenige Binnenschiffer nur noch wenig Anschluss an das Sozialleben an Land. Das kann auf die Dauer deprimierend sein – gerade auch an den Feiertagen, an denen man gern gemeinsam mit der Familie sein würde. Deshalb haben sich beide christliche Kirchen schon immer eine ihrer Aufgaben darin gesehen, sich um diese Menschen zu kümmern – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Google-Map: Das Haus der Seemannsmission in Ruhrort

Google-Map: Das Haus der Seemannsmission in Ruhrort

Wie die katholische Kirche in dieser Hinsicht aktiv ist, haben wir vor einiger Zeit in unserem Porträt des ehemaligen Kirchenbootes St. Nikolaus gezeigt, das schon in der erwähnten Fernsehserie eine wichtige Rolle spielte. Aber auch die evangelische Kirche kümmert sich gerade am Standort Duisburg-Ruhrort um die Binnenschiffer, die seelischen und auch ganz praktischen Beistand brauchen.

Die Johann Heinrich Wichern 2008 in Mannheim (Foto: Immanuel Giel)

Die Johann Heinrich Wichern 2008 in Mannheim (Foto: Immanuel Giel)

Gemeinsam bieten der Evangelische Binnenschifferdienst und Deutsche Seemannsmission in Duisburg Betreuung und Beratung, selbstverständlich ist die Arbeit der Einrichtung offen für Menschen aus allen Ländern dieser Erde, unabhängig von Religion und Konfession. Dabei warten die Mitarbeiter nicht darauf, das Hilfesuchende zu ihnen kommen, sondern suchen die Binnenschiffer auf. Dabei spielt das Kirchenboot Johann Hinrich Wichern eine wichtige Rolle, denn es ist in der Regel an vier Tagen in der Woche in den Häfen entlang der Rheinschiene und im Kanal unterwegs, seine Besatzung besucht auf diese Weise rund 1.000 Schiffe pro Jahr.

Wie gesagt: Nicht nur zur Weihnachtszeit. Aber natürlich erfreut es die Binnenschiffer, die an den Feiertagen unterwegs sind und dabei gerade im Duisburg-Ruhrorter Hafen liegen, wenn dann die Johann Heinrich Wichern vorbeikommt und sie mit einem Konzert der schönsten Weihnachtslieder erfreut.

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