Die Zahl elf ist den Kölnern heilig. Das sieht man schon am Stadtwappen, das elf, ja, was? zeigt. Heraldiker nennen die elf schwarzen Dinger Flammen oder Tropfen, die Kölner sagen dazu aber Tränen. Und stellen damit die Verbindung zu den verschiedenen Legenden über die heilige Ursula von Köln her – die übrigens aller Wahrscheinlichkeit nach keine historische Person war, denn sie taucht in den Überlieferungen erst fast tausend Jahre nach ihrem angeblichen Tod auf. Diese Ursula soll zusammen mit 11.000 Jungfrauen nach ihrer Rückkehr von einer Pilgerfahrt nach Rom von den Hunnen unter Attila auf grausamste Weise ermordet worden sein – daher die Tränen.

Dass Attilas Horden im 5. Jahrhundert bis nach Köln kamen, ist dagegen historisch einigermaßen belegt. Allerdings waren die Hunnen quasi nur auf der Durchreise, und das im Eiltempo Richtung Frankreich und Atlantik. Ob es je eine Belagerung Kölns durch die Reiterhorden gab, ist wiederum ungewiss. Trotzdem aber spielen die Hunnen in der kölschen Folklore eine große Rolle. Im Karneval marschieren seit Jahrzehnten als Hunnen verkleidete Jecken mit, die das ganze Jahr am Thema sind und sich auch außerhalb der Session treffen und gemeinsam Lager aufschlagen.

Nach allem, was die Historiker so herausgefunden haben, waren es sicher keine elftausend Jungfern, die mit Ursula nach Rom wallfahrten, sondern eher elf. Wobei sie selbst die elfte war, denn als tiefgläubige Christin hatte sie sich zur ewigen Jungfernschaft entschlossen, sollte aber gleichwohl verheiratet werden, damit ein größerer Gebietstausch zustande käme. Sie stimmte der Hochzeit mit dem englischen König Ætherius unter der Bedingung zu, dass dieser sich taufen lasse. Kaum war das Geschehen und Ursula mit dem Mädels auf dem Rückweg vom Papst, erschien ihm ein Engel mit der Aufforderung, der Braut entgegenzureisen. Plötzlich war es ein Riesentross – selbst der Papst kam mit – der sich Richtung Köln bewegte und sich bei Basel einschiffte.

Die Legende besagt nun, dass zwei fiese Christenfeinde dem Attila gesteckt hatten, was sich da in seine Richtung bewegte. Der daraufhin den Überfall beschlossen haben soll. Tatsächlich wird er wohl scharf auf Ursula und ihre Gefährtinnen gewesen sein. In allen Versionen der Legende war der Hunnenfürst es höchstpersönlich, der die heilige Ursula mit einem Pfeil tötete. Ob die 11.000 Jungfrauen vor- oder nachher geschändet wurden, darin unterscheiden sich die Geschichten. Jedenfalls seien nach deren Tod elftausend Engel herabgestiegen und hätten die Hunnen aus Köln vertrieben.

Und was hat das alles mit dem Rhein zu tun, außer dass die Sache im Zusammenhang mit Köln spielt? Oder: Wie kam die Ursula überhaupt nach Köln? Bei einer Seefahrt auf der Nordsee, die äußerst stürmisch war, flüchtete sich das Schiff in die Rheinmündung. Und weil man so freundlich empfangen wurde, segelte man eben weiter rheinaufwärts und landete in Köln. Auch die Wallfahrt nach Rom begann mit einer Bootstour; in Basel stieg man dann auf andere Verkehrsmittel um.

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