Man kann nicht sagen, dass es auf dem Rhein in unserer Region vor Kajaks und Kanadiern nur so wimmelt. Aber gerade an sonnigen Wochenenden sieht man die Kanuten, meist in Gruppen, den Strom auf- und abwärts paddeln. Und das hat eine Tradition, die fast so weit zurückreicht wie die beim Rudern. Den meisten Wassersportinteressierten ist allerdings meistens gar nicht bewusst, wie vielfältig der Kanusport eigentlich ist. Das beginnt schon bei den Bootsformen: Grundsätzlich wird zwischen Kajaks und Kanus – die im deutschen Sprachgebrauch “Kanadier” genannt werden – unterschieden. Das klassische Kajak ist ein Einsitzer, der mit dem Doppelpaddel angetrieben ist. Im Kanadier können mehrere Leute fahren, die dann jeweils ein Stechpaddel bedienen.

Ebenfalls zum Kanusport zählen aber auch das Fahren von Schlauchbooten – inklusive des Raftings – und die beliebten Drachenbootrennen. Verbindendes Element ist jeweils, dass die Fahrer in Fahrtrichtung schauen und paddeln. Nach Europa kamen Kanus bereits Ende des 18. Jahrhunderts, mitgebracht von Engländer, die Nordamerika bereist hatten und die dort entdeckten Boote für interessante Wasserfahrzeuge, aber auch Sportgeräte hielten. Das Kajak mit seinem rund um den Fahrer geschlossenen Bootskörper ist das Jagdgefährt der Inuit: klein, schnell und wendig. Das Kanu lernten die Reisenden bei den verschiedenen Indianerstämmen kennen, die an den Seen und Flüssen ihre Reviere hatten und sie nicht nur für die Jagd benutzten, sondern teilweise für lange Reisen oder gar ein nomadisches Leben. Wasserfahrzeuge, die mit Paddeln angetrieben werden, finden sich in den Kulturen fast aller Erdteile – vom Einbaum bis zum Drachenboot.

Kanadier-Fahrer im Neusser Hafenbecken

Kanadier-Fahrer im Neusser Hafenbecken

So vielfältig die Bootsformen und kulturellen Wurzeln von Kanus, so vielfältig sind auch die verschiedenen Arten der Freizeitbeschäftigung und des Sports mit den Paddelbooten. Von den olympischen Spielen her kennt man vor allem die Regatten und die Wettbewerbe im Wildwasserfahren. Die meisten Menschen aber, die einen Teil ihres Lebens im Kajak oder Kanadier verbringen, nutzen das Kanu als Fitnessgerät und für mehr oder weniger lange Wanderfahrten. Und wer noch nie vom Kanupolo gehört hat, sollte sich einmal ein Spiel in dieser Sportart anschauen.

Wildwasser-Kanut - natürlich nicht auf dem Rhein

Wildwasser-Kanut – natürlich nicht auf dem Rhein

Über alles gerechnet ist der Kanusport am Rhein deutlich populärer als das Rudern. Mehr als zwei Dutzend Vereine gibt es zwischen Köln-Rodenkirchen und Duisburg-Ruhrort. Hinzu kommen die Clubs, die dem Rennsport gewidmet sind und weiter im Landesinneren ihre Standorte haben. Die größeren Vereine haben über 200 Mitglieder und bieten praktisch alle Varianten an, Schnupper- und Anfängerkurse natürlich auch. Meistens wird man Gruppen von Kanuten auf dem Rhein sehen, die einen Ausflug unternehmen und dabei auf der Hinfahrt gern bergwärts paddeln, weil sie sich dann auf der Rückfahrt vom Strom ein wenig antreiben lassen können. Vorwiegend handelt es sich um Kajaks, die für Wanderfahrten vorgesehen sind, als deutlich länger bauen als Rennkajaks, deshalb stabiler im Wasser liegen und Stauraum für Gepäck bieten. Bisweilen trifft man auch auf einzelne Kanus mit bis zu vier Kanuten, die auf klassische Weise im Boot knien und so dem Paddel mehr Druck verleihen. Aber auch Schlauchboote mit acht, zehn, zwölf oder mehr Passagieren kann man beobachten.

Kanuwandern im Kanadier - hier auf der Sieg (Foto: Wikimedia)

Kanuwandern im Kanadier – hier auf der Sieg (Foto: Wikimedia)

Gerade das Wanderpaddeln hat eine sehr lange und erfolgreiche Geschichte in Deutschland. Parallel zur Wandervogel-Bewegung an der Wende zum 20. Jahrhundert kamen – auch dank der Erfindung des Faltboots durch die Firma Klepper – immer mehr Menschen ins Kanu, vor allem, um das freie Leben auf den Seen, Kanälen und Flüssen zu genießen und die Gemeinschaft im Kreise Gleichgesinnter. Ziel bei diesem Freizeitvergnügen war (und ist bis heute) nicht der sportliche Erfolg, sondern das Naturerlebnis bei gleichzeitiger körperlicher Ertüchtigung. Die ist beim Paddeln übrigens in weitem Rahmen skalierbar, sodass sich gerade Wanderfahrten für Kinder genauso anbieten wie für fitte Senioren. Die Leistungssportvarianten entstanden erst viel später – der Kanurennsport wurde erst bei den olympischen Spielen 1936 in Berlin zur Wettbewerbsdisziplin. Durch die rasante technische Entwicklung rund um den Kunststoff wurden die Boote immer besser und die Geschwindigkeiten immer höher, was zu einem Auseinanderdriften des Kanusports führte. Deshalb gibt es nur wenige Clubs am Rhein, die sowohl beim Rennsport, als auch bei den anderen Varianten aktiv sind.

Legendär: Das Klepper-Faltboot (Foto: Wikimedia)

Legendär: Das Klepper-Faltboot (Foto: Wikimedia)

Wie schon erwähnt: Paddeln ist für jeden etwas, der gern auf dem Wasser ist. Und schwer fällt es in der Regel auch nicht, das Fahren im Kajak oder Kanadier zu erlernen. Aber man sollte sich tunlichst an einen der Vereine am Rhein wenden, wenn man gern auf dem Fluss wasserwandern will, denn ganz ohne Risiko ist das Paddeln auf dem Strom nicht. Erfahrene Kanuten bringen Neulingen nicht nur gern bei, wie man mit den Booten vorankommt ohne zu kentern, sondern begleiten weniger erfahrene Paddler gern auf Touren. Dass nie ohne Schwimmweste und am besten auch mit Helm gefahren wird, versteht sich angesichts des Verkehrs auf dem Rhein beinahe von selbst.

Hier eine Karte auf der Website des Deutschen Kanu-Verbandes mit den Standorten aller Kanu-Clubs, die man auf die Region am Rhein zwischen Köln und Duisburg heranzoomen kann.

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