Stell Sie sich vor, Sie liegen am Atlantikstrand und schauen hinaus aufs Meer. Nicht weit entfernt läuft ein einsames Boot langsam parallel zur Küsten. “Wenn man wüsste, was das für ein Schiff ist…,” bemerkt Ihre Begleiterin. “Moment,” sagen Sie, zücken das Smartphone, öffnen eine App, wischen ein bisschen herum und sagen dann ganz lässig: “Das ist die Isabella, ein Fischerboot, das heute Morgen um halb sechs in Arcachon ausgelaufen ist und jetzt auf dem Rückweg ist.”

Die Schiffe auf dem Rhein bei Düsseldorf

Die Schiffe auf dem Rhein bei Düsseldorf

Science-Fiction? Nein! Der Online-Service MarineTraffic, den es auch als App für Android und iOS gibt, verfolgt tatsächlich alle (legalen und registrierten) Schiffe der Welt überall auf dem Globus. Das funktioniert, weil die Meere, Seen, Gewässer und Wasserstraßen weltweit beinahe so streng, genau und zeitnah überwacht werden wie der Luftraum. Außerdem sendet heute fast jedes registrierte Wasserfahrzeug ständig Positionsdaten, die rund um den Erdball in zentralisierten Datensystemen zusammenkommen und dort öffentlich und frei zugänglich sind. Ausgenommen sind natürlich die Mehrheit aller militärischen Schiffe sowie alle nicht-motorisierten Gefährte und eben die Flotten der diversen illegalen Boote.

Ein einsames Fischerboot vor der Atlantikküste

Ein einsames Fischerboot vor der Atlantikküste

Es gibt viele spannende Möglichkeiten, MarineTraffic zu nutzen, ganz gleich, ob man ein professionelles Interesse an Schiffsbewegungen hat, selbst an Bord eines Schiffes arbeitet oder ein Boot aus Hobbygründen steuert, und auch die vielen Zehntausende Shipspotter in aller Welt kommen mit diesem Service auf ihre Kosten. Zumal MarineTraffic natürlich auch Zugriff auf die kompletteste Schiffsdatenbank überhaupt gewährt. Angenommen, Sie haben gerade eine Kreuzfahrt mit der AIDAcara hinter sich und möchten wissen, wo das Clubschiff nun unterwegs ist. Mit der MarineTraffic-Suchfunktion bekommen Sie das vollständige Datenblatt der alten AIDA – Positions- und Reisedaten inklusive.

Da liegt die AIDAcara im Hafen von Catania auf Sizilien.

Da liegt die AIDAcara im Hafen von Catania auf Sizilien.

Das alles funktioniert schon im Webbrowser sehr gut, wird aber mobil noch besser. Die App kostet 4,99 Euro, von denen jeder Cent gut angelegt ist. Natürlich muss das Smartphone nicht bloß ein integriertes GPS-Modul haben, sondern natürlich auch Internet-Empfan. Dann sieht man auf der Live-Map alle Wasserfahrzeuge in der Nähe auf einer Karte. Das Kartenmaterial stammt von OpenStreetMap, dem freien Landkarten-Wiki, und kann mit verschiedenen Layern aufgewertet werden; natürlich ist auch eine Gelände- und Satelliten-Map einstellbar.

Die Schiffsdatenbank von MarineTraffic - für Shipspotter unverzichtbar

Die Schiffsdatenbank von MarineTraffic – für Shipspotter unverzichtbar

Auf Wunsch werden nicht nur die Namen der Schiffe eingeblendet, sondern auch deren Route – also vom letzten Hafen bis zum geplanten Ziel. In den kostenpflichtigen Versionen (der Webservice ist werbefinanziert, und es gibt auch kostenlose, eingeschränkte Apps) können Wetterdaten angezeigt werden. Live angeschaute Bewegungen können aufgezeichnet und später abgespielt werden. Man kann sich eine Liste aller Schiffe in deiner Nähe anzeigen lassen – und hat damit die Fülle der Möglichkeiten noch nicht einmal angekratzt.

Für Menschen, die auf Schiffen und in Häfen arbeiten, ist MarineTraffic mittlerweile ein unverzichtbares Werkzeug geworden. Wer sich für jede Form von Schifffahrt interessiert, für den sind dieser Webservice und die Apps wunderbare Spielzeuge.

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