Die Passagierschifffahrt auf dem Rhein hat in Düsseldorf eine große Tradition. Daran ist die Weisse Flotte inzwischen maßgeblich beteiligt. 1993 übernahm Dr. Ing Peter Küffner nämlich den gesamten Schiffsbetrieb, den die Rheinbahn – eigentlich für Bus und Bahn zuständig – nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaut hatte. Heute führen Sohn Michael und seine Frau Simone den Betrieb in Düsseldorf – wir haben mit ihnen ein kurzes Interview geführt:

Frage: Wie kommt man eigentlich dazu, ein Unternehmen wie die Weisse Flotte Düsseldorf zu leiten?
Michael Küffner: Am Anfang war die Übernahme der Rheinschiffe der Rheinbahn durch drei Investoren, darunter mein Vater. Ich habe mit Simone während meines Studiums bei der Flotte gearbeitet und diese lieben gelernt. Statt das abgeschlossene Studium der Architektur beruflich weiter zu verfolgen, obwohl ich das gut laufende Ingenieurbüro meines Vaters übernehmen sollte, habe ich mich für die Schifffahrt entschieden.

F: Wie viele Fahrgäste sich am Steiger drängen, ist sehr witterungsabhängig – studiert ihr jeden Morgen die Wetterberichte?
Simone Küffner: Jeden Morgen ab 7:30 Uhr analysieren und bewerteen wir die Wetterprognosen des Tages, sowie die Prognosen für die nächsten Tage. Wir arbeiten mit wetter.de und Regenradar. Dementsprechend planen wir den Einsatz der Schiffe. Spätestens gegen 10:00 Uhr muss dann der Tagesplan stehen und entschieden sein. Bei Gruppen mit reservierten und bezahlten Tickets fahren wir natürlich auch bei sehr schlechtem Wetter raus.

F: Kann man mit den Schiffen auf dem Rhein Geld verdienen oder ist der Betrieb der „Bötchen“ ein Plus-Minus-Null-Geschäft?
MK: Man kann natürlich mit Schiffen auf dem Rhein Geld verdienen, sonst würden da keine fahren. Das Problem ist der Betrieb unserer vier Fahrgastschiffe in Düsseldorf, die in der Woche nicht ausgelastet sind. Der Vergleich mit der Flusskreuzschifffahrt zeigt aber das Problem auf: Die haben durch den Ticketvorverkauf und Vollauslastung über eine längere Zeit Planungssicherheit, wir aber sind wettergebunden und müssen dem springendem Punkt immer hinterherlaufen. Hinzu kommt der Winter, in dem so gut wie gar nichts läuft. Vier Schiffe in dem Zustand zu betreiben ist nicht leicht, aber wenn man schnell arbeitet, kann es auch positiv laufen. Ärgern tu´ ich mich immer darüber, dass in der Gastronomie an Land gerne für eine Weinflasche 19,90 Euro vom Gast bezahlt wird (im Einkauf 2,00 Euro), aber ein Fahrpreis von 14,00 Euro inklusive Getränke als zu teuer angesehen wird. Die Schifffahrt hat auch keine Lobby, der Ticketpreis wird vom Kunden gerne mit dem öffentlichen Nahverkehr verglichen. Das ist das Problem.

F: Auf euren Fahrten sind die Getränke bekanntlich im Fahrpreis enthalten – gibt es manchmal Fahrgäste, die das schamlos ausnutzen?
SK: Eigentlich ist das eher die Ausnahme. Natürlich haben wir an manchen Wochenenden auch Gruppen von Junggesellenabschieden und Fussballvereinen aus der ganzen Republik an Bord. Die gönnen sich gerne schon mal zwei bis drei Bierchen mehr auf so einer Tour als der normale Gast . Unsere Schiffsbesatzung schaut sich diese Gruppen ganz genau an. Personen, die schon stark alkoholisiert an Bord kommen wollen, werden unter Umständen auch mal nicht mitgenommen. Der normale Gast trinkt während einer Panoramafahrt durchschnittlich zwei Getränke. Während einer Hin- und Rückfahrt der Kaiserswerth-Tour sind es eher vier Getränke.

F: Wie sieht’s aus – wird es bald wieder neue Schiffe der Weissen Flotte geben? Werden welche ausgemustert?
MK: Wir bauen momentan eine dritte Steigeranlage an der Promenade. Ich bin seit Jahren dabei, die Flotte zu erneuern. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Es werden zurzeit keine Schiffe ausgemustert und auch keine neuen gebaut. Langfristig sieht das allerdings anders aus. Ich möchte eine moderne Schifffahrt für Düsseldorf, das ist mein Hauptziel.

F: Sind eigentlich außer den legendären Feuerwerksfahrten auch mal andere Eventtouren angedacht?
SK: Die Eventfahrten außerhalb der Feuerwerksfahrten wurden von uns in den letzten Jahren stark ausgedünnt, da sich diese nicht rentierten. Mit großem Aufwand wurden die Schiffe z.B. für eine Halloween-Party dekoriert, mit nur ca. 110 gebuchten Gästen lohnt sich solch ein Abend nicht. Wir haben aber noch viele schöne Events im Programm. Beliebt sind die Dinner Fahrten mit Show-Programm und unsere Weihnachtsfeierfahrten. Hier können sich kleinere Gruppen, Firmen oder Abteilungen einbuchen. Das kann schon sehr lustig zugehen, wenn die Mitarbeiter einer KFZ-Werkstatt auf eine Krankenschwesterngruppe an Bord trifft.

F: Die Gastronomie an den Kasematten unterhalb der historischen Pegeluhr gehört auch zur Weissen Flotte – sind da Veränderungen geplant? Falls ja, welche und wann?
MK: Es sind keine Veränderungen geplant, die Promenade ist toll.

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