Vor einem Monat schon haben wir über die Besonderheiten eines niedrigen Rheinpegels für die Schifffahrt berichtet. Inzwischen sind die Wasserstände zwischen Köln und Duisburg noch einmal deutlich gesunken. Einige Leserinnen und Leser fragten uns, ab welchem Wert denn die Schifffahrt auf dem Fluss eingestellt würde. Wir haben uns deshalb einmal die bisherigen Rekordwerte angeschaut. Heute (24. August) bewegt sich der Pegel bei Düsseldorf zwischen 65 und 69 Zentimeter – im bisherigen Jahrhundertsommer 2003 lag er 28. September nach einer langen Hitzewelle und anschließendem Ausbleiben von Regen sogar bei nur noch 41 Zentimetern. Und die Fracht- und Personenschiffe fuhren damals trotzdem noch. In unserer Region kann der Rhein theoretisch sogar noch bei Pegelständen von 0 Zentimetern befahren werden. Wie kommt das?

Ausbaggern der Fahrrinne

Ausbaggern der Fahrrinne

Das Maß aller Binnenschifffahrtsdinge ist eben nicht der Pegelstand, sondern die Tiefe (und Breite) der Fahrrinne. In unserer Gegend soll diese Fahrrinne immer mindestens 250 tief sein. Und zwar nicht bezogen auf den jeweiligen Wasserspiegel, sondern auf den Gleichwertigen Wasserstand (GlW). Der wird durch aufwändige Messungen ermittelt und von der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) etwa alle 12 bis 15 Jahre festgelegt. Rund um Düsseldorf liegt der GlW bei 97 Zentimetern. Das heißt im Klartext: Bei einem Pegelstand von 97 Zentimetern hat die Fahrrinne durchgehend eine Tiefe von 250 Zentimetern. Weil der Boden des Rhein nicht eben ist, schwankt dieser Wert, liegt aber beim Pegel 97 immer bei mindestens 250 Zentimetern.

Baumaßnahmen zur Sicherung der Fahrrinne

Baumaßnahmen zur Sicherung der Fahrrinne

Wenn nun der Pegel nur noch 65 Zentimeter beträgt, dann hat die Fahrrinne im Bereich Düsseldorf eine Tiefe von (mindestens) 218 Zentimeter [= 250-(97-65)]. Die meisten Fahrgastschiffe auch die Rheinkreuzfahrer haben aber bei voller Beladung nicht mehr als 180 Zentimeter Tiefgang; bei den Frachtschiffen und Tankern sind es aber vollbeladen nicht selten 200 bis 300 Zentimeter. Damit solch ein Kahn durchkommt, muss der Schiffsführer dafür sorgen, dass durch Aufnehmen von weniger Ladung der Tiefgang im ungefährlichen Rahmen bleibt. Deshalb sieht man momentan so viele Schiffe, die aussehen, als seien sie fast leer.

Als der Rhein im September 2003 bei Düsseldorf nur noch einen Pegel von 41 Zentimeter aufwies (Fahrrinnentiefe also unter zwei Metern), wurde der Fluss aber weiter befahren. Es gab allerdings ein paar Probleme mit der Breite der Fahrrinne. Durch Wartungsmaßnahmen sorgen die zuständigen Behörden dafür, dass die Fahrrinne immer mindestens 150 Meter breit (PDF-Link) ist. Das stellt sicher, dass auch bei niedrigstem Wasserstand immer zwei Schiffe aneinander vorbeikommen, ohne dass es zu Kollisionen kommen kann. Am 30. September 2003 begegneten sich jedoch oberhalb von Duisburg zwei Schubverbände mit je einem an der Seite vertäuten Leichter. Die Breite der Fahrzeuge lag bei 32 bzw. 34 Metern. Auf gerader Strecke wäre alles gut gegangen, weil sich die Schiffe aber am Orsoyer Rheinbogen begegneten, musste der Talfahrer stoppen und warten, bis der zu Berg fahrende Verband an ihm vorbei war.

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