Keine Frage: Der Rosenmontag ist der wichtigste Feiertag im schönen Rheinland. Und es ist auch kein Wunder, dass die deutschen Karnevalshochburgen allesamt am Rhein liegen: Mainz, Köln und Düsseldorf, denn die rheinische Fröhlichkeit ist Basis für Jux und Dollerei in der närrischen Jahreszeit. Natürlich hat Köln beim Straßenkarneval die Nase weit vorn. Der kölsche Zoch ist eben der längste, schönste und mit Abstand traditionsreichste. Und gegen die vielen bunten Veedelszöch können weder die Meenzer, noch die Düsseldorfer anstinken. Dafür glänzt die Landeshauptstadt mit seinen vielen Bällen – und muss sich dafür das Etikett “Lackschuhkarneval” gefallen lassen. Dafür hat man in Mainz die schönsten Traditionen in den Vororten und Stadtvierteln, die jeweils eine eigene Tradition der Fassenacht besitzen.

Dass die drei Städte an den Ufern des mächtigen Stroms aber so berühmt für ihren Karneval geworden sind, hat eine Menge mit dem Fernsehen in den Anfangstagen des TV zu tun. Bis in die Fünfzigerjahre hinein war lediglich der kölsche Fastelovend über die Stadtgrenzen hinaus bekannt; in den Kino-Wochenschauen der Dreißiger- und Vierzigerjahre war immer nur der Rosenmontagszug in der Domstadt zu sehen. Aber dann kamen die Leute beim neuen WDR auf die Idee, Live-Übertragungen aus Köln und Düsseldorf uns Programm zu holen. Das konnten die Mainzer nicht auf sich sitzen lassen. Da hat ein närrischer Mitarbeiter des SWR den genialen Einfall, eine Karnevalssitzung aus Mainz fürs Fernsehen zu organisieren. “Mainz wie es singt und lacht” war geboren und wurde zum Straßenfeger am Freitag vor Rosenmontag. Vorher gab es keine gemeinsamen Sitzungen der vielen, oft gleich großen und gleichbedeutenden Vereine in Mainz.

Das ließ wiederum die WDR-Karnevalisten nicht ruhen. Und so entstanden die großen Fernsehsitzungen in Köln und Düsseldorf. Und weil man sich vor den Kameras besonders prunkvoll zeigen wollte, wurden die Sitzungen immer prächtiger und aufwändiger – ein Horror für traditionelle Fasteleer-Freund in Köln. Und weil man ohnehin gerade in der Hochzeit der alternativen Kultur lebte, hob man flugs die Stunksitzung aus der Taufe, in der man sich vor allem über die brave Ehrpusseligkeit und die Eitelkeit der Prunksitzungen lustig machte. Neben dem ganze TV-Karneval aber blühte in den drei Hochburgen der “echte” Karneval in den Vierteln und der unorganisierte Straßenkarneval auf. Düsseldorf gab mit dem traditionellen Kö-Karneval am Sonntag das Muster vor. Köln steuerte den Geisterzug am Freitag bei, und in den Städten und Dörfer zwischen Bonn und Duisburg trieben die Narren bei Festen und Umzügen ihr jeckes Wesen. Nicht zu vergessen natürlich der Altweiber-Donnerstag, an dem die “Möhnen” in den Städten das Regiment übernehmen und die Stadt zum Feiern freigeben.

Kurz und gut: Der rheinische Karneval lebt. Und zwar fantasievoll und bunt, manchmal wild und laut. Wer neu im Rheinland ist, wird sich an Jux und Dollerei auf den Straßen und in den Sälen vermutlich herantasten müssen. Aber wer einmal mit Freunden von Donnerstagmorgen um 11:11 bis zum Aschermittwoch durchgefeiert hat oder mit der Familie den Straßenkarneval miterlebt hat, könnte süchtig werden. Und so vom Immi zum Eingeborenen werden…

Dietmar Kivel – Du darfst mich lieben für drei tolle Tage 1967

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